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Die Glocke von Kosci

Der Klang der Glocke breitete sich über das Dorf. Er umfing uns mit Vertrautheit.
„Es ist unsere Elferglocke!“
Nun läutete diese Glocke aus Stuhlfelden für das Patrozinium des kleinen Dorfes Kosci rund zehn Kilometer von der bosnischen Stadt Tuzla entfernt.
Philipp und Jakob die Schutzheiligen der kleinen Kirche wurden gefeiert und die Einweihung der Glocke. Der Glocke aus Austria.


BGM Sonja Ottenbacher, Amtsleiter Rummer Ferdinand, Martha Kapeller vom Pfarrgemeinderat Stuhlfelden und ich, wurden als Ehrengäste empfangen. Geschmückte Tische mit Wiesenblumen und Flieder und ein Festessen erwarteten uns.


Im Jahr 2004 anlässlich unseres Patroziniums hat Stuhlfelden auf Initiative des damaligen Dechants Oswald Scherer, PGR Obmann Paul Zotter und BGM Sonja Ottenbacher diese Glocke für Bauern helfen Bauern gespendet.
Jetzt waren wir zur Einweihung eingeladen.
In der Nacht zum 2. Mai begann unsere lange Reise um 00.00 Uhr. Unser Weg führte uns über Villach nach Slowenien. In den frühen Morgenstunden erreichten wir Kroatien. Wir fuhren auf gut ausgebauten Autobahnen in den aufgehenden Tag. Vorbei an Zagreb, der Hauptstadt Kroatien vorbei an grünen Wiesen und gelben Rapsfeldern.
An der Grenze von Bosnien- Herzegowina waren plötzlich wieder Spuren des vergangenen Krieges sichtbar.
Minenschilder mit Totenköpfen versperrten den Weg in die Wiesen und Felder. Ein beklemmendes Gefühl machte sich breit. Das Leid der Zivilbevölkerung, das Ausmaß der Zerstörung, Berichte im Fernsehen über Massaker und der Streit zwischen den Volksgruppen, alles kam wieder in unsere Erinnerung zurück.
Neben der Not, ist aber auch eine Aufbruchsstimmung bemerkbar – neue Häuser entstehen, Einkaufszentren und Straßen werden errichtet.
Nach einer Stunde Fahrt erreichten wir Tuzla. Tuzla ist eine Stadt mit rund 200.000 Einwohnern, die im Krieg eingekesselt war. Begrüßt wurden wir von riesigen Schloten des Kohlekraftwerkes. Der Geruch von Kohle und Abgase kroch in unsere Nasen und setzte sich fest. Riesige abgelebte Wohnsilos standen neben modernen bunten Hochhäusern.
Im Hotel Tuzla bezogen wir unsere Zimmer.
Frau Gordana Gavrancic, vom bosnischen Büro von Bauern helfen Bauern nahm uns mit zur Pfarre der Franziskaner in Tuzla.

Auf dem Weg dorthin bemerkten wir, dass die Straßen an einigen Stellen sehr schief waren. Frau Gavrancic erklärte uns, dass Tuzla auf einem Salzbergwerk erbaut wurde und die Stadt immer wieder absinkt. Aber mit ironischem Humor tragen die Bewohner diese Tatsache.
Aber zurück zu unserem Fest. Mit herzlicher Gastfreundschaft wurden wir von der Bevölkerung aufgenommen. Als wir mit ihnen ihren traditionellen Kreistanz mittanzten wurden wir endgültig in ihre Herzen geschlossen.


Am nächsten Tag verließen wir wieder Bosnien- Herzegowina. Wir nahmen sehr viele Eindrücke nach Hause. 1500 Kilometer lang war unsere Reise in eine fremde Welt.
Die Selbstverständlichkeit, dass unsere Luft so rein, unsere Umwelt noch so intakt ist und wir unser Wasser noch trinken können macht uns sehr demütig.

Egger Gundi

 

 

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